Erotik in Bewegung

Veröffentlicht von admin am

Frau, die vor dem Sonnenuntergang tanzt

Spontane Erotik ist die spannendste Art der Entspannung *Andreas Tenzer

Danke, Alexandra, dass du mich gebeten hast etwas zu Erotik in der Bewegung zu schreiben, denn das hat meine letzten Tage wirklich bereichert.

Medien bombardieren uns mit  (oftmals hochglanz-polierten,penibel retuschierten) Bildern “perfekt” aussehender Menschen, welche, scheinbar alterslos und sexy durch die Welt hüpfen und all unsere Augenringe, Hühneraugen und Dehnungsstreifen ad absurdum führen.

Das Ergebnis ist jedoch ein (vielleicht nur unbewusstes) Vergleichen mit all diesen Modepuppen, den Idolen aus Musikvideos, denen noch nicht mal beim twerken – Anm. :das ist rhythmisches Popowackeln- gar nicht so einfach!– ein bisschen Speck wackelt. Bekommt man davon Komplexe oder setzt man diese Bilder als “nicht von dieser Welt” bewusst in eine Sparte des “Unwirklichen”, die Bilder prägen doch unseren Alltag zutiefst und somit auch unser Erotik-Paradigma.

Entgegen der vorherrschenden Annahme, erotisch sei das Offensichtliche oder besonders viel nackte Haut, bin ich der Meinung: Erotik ist die absolute Präsenz im Moment!

Daher passt auch das Thema Tanz so gut dazu: BAM! Hier bin ich! Ich zeige mich (mir? dir? das sind nur Details!)

Erotik ist das Spielen mit dem Augenblick, mit dem Spannungsfeld, das durch meine Bewegung entsteht. Viele Kulturen hatten Tänze, in denen jede Fingerhaltung ein Geheimnis offenbarte und auch jetzt noch kann die Bewegung eines kleinen Fingers -richtig eingesetzt- mehr versprechen als ein großflächiges Dekollete.

Dazu kommt, dass unsere Sinne durch das Zusammenspiel von Musik und Bewegung maximal angeregt werden, uns neu zu erfinden. Ich kann all meine Alltagsrollen abwerfen und ganz die Bauchtänzerin, Prom-Queen oder Flamencogöttin sein, nach der mir gerade ist. Dabei ist das sichtliche Wohlfühlen in der eigenen Haut ein erotischer Faktor, der Seinesgleichen sucht. BAM! Hier bin ich. Und ich weiß, ich bin eine Göttin!

Wenn ich mich nicht alleine in meinem stillen Kämmerlein bewege, sondern mit anderen tanze, kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: Der des/der Gegenüber! Unsere Gesellschaft scheint so offen wie nie zu sein, was religion, sexuelle Orientierung und Lebensstil betrifft, aber wir sind zunehmend “Körperinseln”: physischer Kontakt kommt in einem normalen Alltag kaum vor. In der Ratlosigkeit, die dieses Bedürfnis hinterlässt, füllen oftmals Essen, Konsum und  andere Süchte, was eigentlich das Bedürfnis nach echter Begegnung ist .

BAM! Ich bin da! Ich sehe dich und du siehst mich und wir begegnen uns im perfekten Rhythmus, vielleicht nur während der Länge eines Liedes: das kann magisch sein. Vor allem, wenn man es sehen kann, wie es ist: als volle Präsenz im Moment. Da brauchen Meditierende oft Jahre für, um dahin zu gelangen.

Erotik ist für mich auch die Kunst, Unausgesprochenes sichtbar zu machen. Der Blick, in dem alles Ungesagte liegen kann. Die Geste, die alles verspricht…

In unserer Arbeit mit Frauen üben Alexandra und ich den Blick für die kraftvolle Einzigartigkeit einer Jeden zu öffnen. Wenn man dieses “WOW, wie wundervoll du bist!” aus dem Kreise der anderen Frauen vernimmt, sieht man oft, wie sich ein Wandel vollzieht und ein Schleier, der über dem Gesamtbild lag, wieder den Blick auf eine wunderschöne Blüte freigibt. Frauen sind oft sehr selbstkritisch und gehen hart mit sich ins Gericht. Es ist ein großes Geschenk, sich nicht nur angenommen zu fühlen wie man ist, sondern auch zu spüren, dass manche sogar Facetten in einem erkenn, die man selbst noch nicht wahr genommen hat. Dann macht es unglaublich Spaß, diese Facettten auszuleben, etwa indem wir Burlsque- Szenen ausprobieren. Nicht billig, sondern erotisch: “BAM! Hier bin ich! Ich zeige mich. Und ich weiß, ich bin eine Göttin!”

Love, Joy


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