Buchbesprechung Das TageBuch

Veröffentlicht von admin am

Frau die in einem Buch liest

Das Tagebuch Die Menstruation- alles über ein unterschätztes Phänomen.

Heike Kleen, Journalistin und Medientrainerin, kam eher zufällig dazu, sich dem Tabuthema Menstruation zu widmen. Dafür aber mit Karacho.

Für sie ist es Zeit, das Thema auf den Tisch zu packen, denn es ist- laut eigener Aussage- “skurriler, spannender und witziger als man vermuten würde- und kein bisschen ekelig.” Sie möchte die Dinge einfach ansprechen und aus der verschämten Ecke herausholen, denn es ist die natürlichste Sache der Welt.

Ich liebe ihre Sprache, sie scheut auch nicht vor drastischen Bildern und bleibt dabei immer auch bei der Sache. Heißt: es wird in verständlichen Worten über die Menstruation aufgeklärt, mit Mythen aufgeräumt, aber auch auf Missstände hingewiesen. So widmet sie sich ausführlich den Vor-und Nachteilen diverser Verhütungsmethoden und deren Auswirkungen im weiblichen Körper sowie der Monatshygiene und den damit verbundenen Materialien und Formen.

Anfangs geht sie ausführlich auf die Tabuisierung in der westlichen Gesellschaft aber auch weltweit ein und wünscht sich eine klare Sprache und offeneres Umgehen mit einem Phänomen, das einen Großteil der weiblichen Bevölkerung ziemlich lange begleitet.

Dann beschreibt sie den Vorgang des weiblichen Zyklus in wirklich super verständlicher Weise. Das, was man sonst als vage Vorstellung und Halbwissen im Hinterkopf hatte, formt sich zu einem plastischen Bild, das endlich vollständig erscheint. Im Gegensatz zu einigen anderen Büchern, die ich schon dazu gelesen habe, beschränkt sie die Nennung von Hormonen und Botenstoffen auf die “ganz großen Nummern”.

Die Wirkungen Derselben auf unsere Alltagsstimmung lässt sie ebenso wenig aus wie die Vorstellung diverser Klischees (Mond und Einfluss) und Apps, um den Zyklus besser handlen zu können.

Mit einer gewissen Empörung prangert sie die historischen Umstände an, welche die Menstruation seit Jahrtausenden quasi unerforscht und verpönt gelassen haben, mit Hilfe derer Frauen klein gehalten und ausgeschlossen wurden.

Demgegenüber stellt sie das überzogene Frauenbild der Medien, welches sich nicht scheut, Frauen sexistisch darzustellen, aber die körperlichen Realitäten außer Acht lässt.

Ein Kapitel widmet sie sich dem Thema, wie wir für uns Selbst einen Paradigmen-Shift kreieren können, indem wir eine positive Einstellung zu unserem Körper, dem Zyklus und der Menstruation insbesondere, kreieren.

Über die Aufklärung über das toxische Schocksyndrom, das  durch das Bakterium Staphylococcus aureus ausgelöst werden kann, wenn dieses sich auf synthetischen Stoffen im Unterleib rasant vermehrt, steigt sie in die Thematik der Giftstoffe in Monatshygieneprodukten ein. Die Auflistung, welche Chemikalie wo enthalten ist und wie wenig bisher über die Stoffe bekannt ist, die wir uns über Jahre bzw Jahrzehnte jeden Monat einige Tage einführen, lässt manches Mal nach Luft ringen. Ebenso gibt die Tatsache zu denken, dass in Deutschland Menstruationsprodukte nicht von günstigerer Mehrwertsteuer profitieren und somit “Luxusgut” sind.
(Nachtrag: seit 01.01.2020 wurde die Mehrwertsteuer auf Monatshygiene-Artikel gesenkt und somit ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan)

Auch das nächste Thema ist ein heikles, wenn auch auf andere Weise: PMS; wie Kleen es nennt “Postfaktisches Monster Syndrom” und die einschneidenden Auswirkungen auf den weiblichen Alltag.

Hinweise auf Ernährung und Übungen, um die Beschwerden zu lindern, folgen. Diese reichen von Frauenkräutern über Yoga und Akupunktur hin zu schulmedizinischen Maßnahmen. Wie bereits eingangs erwähnt, lässt sie auch das Thema Verhütung nicht aus, vorallem die invasiven Methoden (also Hormonverhütung, Spritzen, Spiralen etc) und gibt auch über deren Wirkweise einen guten Überblick. Im Schlussteil des Buches widmet sie sich den Bestrebungen von Feministinnen, Start-up’lern und  anderen engagierten Persönlichkeiten, welche die “rote Revolution” voranbringen, das Thema Menstruation in die Mitte der Gesellschaft zu bringen

Für Kleen ist “der offene Umgang mit der Menstruation ein Teil des Feminismus der Gegenwart, der sich übrigens nicht automatisch in der humorbefreiten Zone befindet” (205).

Ihr größtes Anliegen- und dem kann ich mich nur anschließen, ist Geht wohlwollend mit eurem Körper um. “Wenn wir dieses unterschätzte Phänomen verstehen, wertschätzen, nutzen und vielleicht sogar feiern, macht das Leben viel mehr Spaß. Also los! Denn vor der Regel ist nach der Regel- und dasist auch gut so” (229).

Journalistisch gut recherchiert, mit ordentlicher Bibliographie und dennoch so leicht zu lesen wie Unterhaltungsliteratur- so macht Wissensaneignung, Selbstreflektion und Sachbuchlesen Spaß!