Buchbesprechung Coming Soon

Veröffentlicht von admin am

saftige Orangenspalten

Dania Schiftan “Coming Soon- Orgasmus ist Übungssache”

… der Name klingt zu verlockend… gekrönt von einer saftigen Orange auf dem Cover . Ich bin kein großer Fan von Klappentexten, aber diesen habe ich übernommen:

“Es ist höchste Zeit für uns Frauen, unsere Körper besser kennen-und verstehen zu lernen, um nicht länger fragwürdigem Halbwissen aufzusitzen. Denn über den weiblichen Orgasmus wird viel geschrieben, dazu kursieren zahllose Mythen und Legenden, wie die Behauptung, Frauen können entweder vaginal oder klitoral kommen. Einige sind angeblich damit gesegnet, beim Sex allein durch Penetration zum Orgasmus zu kommen- und andere nicht Ist das purer Zufall, oder einfach Anatomie? Ist es Kopfsache? Oder eine Frage der Entspannung? Alles Quatsch- so viel sei an dieser Stelle schon einmal vorweg genommen!

Dass der weibliche Orgasmus so viele Fragen aufwirft, ist jedoch keine Seltenheit. Und dass junge, emanzipierte, neugierige Frauen beim Orgasmus von einem “Mythos” sprechen, ebenfalls nicht, Anhand ihres 10-Schritte-Plans bringt die erfahrene Sexualtherapeutin Dania Schiftan Licht in dieses Dunkel und zeigt, wie Frauen viel mehr Spaß am Sex und mit ihrem Körper haben können.”

Nach meiner bisherigen Lektüre zum Thema Lust und Orgasmen macht mich die Aussage “In 10 Schritten zum vaginalen Höhepunkt” besonders neugierig, denn sie klingt gleichzeitig simpel und selbstbewusst. Das Geschriebene wird ergänzt durch erfrischend anschauliche Zeichnungen von Nicole Kim.

Gleich in der Einleitung tischt Schiftan ihre Hauptthese auf: bei Frauen, bei denen die Vagina wenig auf Stimulation reagiert, wurde diese noch nicht genug “erweckt”. Heißt auf gut Deutsch: Die Nervenenden dort sind noch nicht genug mit dem Gehirn verknüpft, um ein Lustfeuer auszulösen.

Ihre Lösung: erweck deine Vagina! …das ist die feste Überzeugung der Autorin. Sie beschreibt, dass viele Frauen erst gar nicht gelernt haben, richtig ihre Vagina zu erwecken, diese befindet sich quasi in einem Dornröschenschlaf, den es zu beenden gilt.

Dazu steigt sie in der “kleinen Anatomiestunde” in die Details der weiblichen Anatomie ein, wobei Frau gleich auch selbst Hand anlegen soll und sich außen und innen abtasten.

Der zweite Schritt liegt darin, eine Bestandsaufnahme des Status quo zu machen, also zu reflektieren, wo man in Sachen Selbstbefriedigung steht,was einem gefällt etc. Danach geht es um die Analyse des Partnersex.

Anhand der Begriffe Genuss und Erregung sollen nun beide Sexarten in Diagrammen bzw Erregungskurven dargestellt werden. Dabei betont die Autorin, dass man erregt sein kann, ohne dass es ein Genuss ist, und genießen, ohne erregt zu sein. Das Höchste ist- man lese und staune- wenn beim Sex beide Komponenten vertreten sind.

Auch eine FAQ Liste, anhand derer Schiftan mögliche Einwände/Fragen dazu erläutert, betont: Übung macht die Meisterin-bleib dran!

Nun geht es ab in die Vergangenheit- was sagt sie über den heutigen Bezug zum eigenen Geschlecht aus? Dies soll helfen, das Hier und Jetzt besser zu verstehen.

Als vierte Stufe kommt nun Bewegung ins Spiel. Schiftan beschreibt, dass wir Frauen beim Sex oft den Körper anspannen, auch um die Erregung zu steigern, dass das aber auf das Gehirn auch den gegenteiligen Effekt habe kann, weil dieses denkt wir wären im Kampf-oder-Flucht-Modus. Dieser sorgt dafür, dass wir eher kritisch sind und schnell abgelenkt, die Lust verschwindet schon bei der kleinsten Störung.

Als Abhilfe empfiehlt die Autorin Bewegung. Sei es beim Solo- sei es beim Paarsex neue kleine Bewegungen einzubauen, welche andere Zonen der Vagina stimulieren als bishe.

Jetzt wird der Beckenboden und seine “tragende Rolle” beleuchtet und somit auch sein Errgungsparadox: Es geht weder mit zu viel noch mit zu wenig Spannung im Beckenbereich. Mit der sexuellen Erregung steigt allerdings auch die Muskelspannung im Becken automatisch- zusätzliches Anspannen ist also nicht nötig.

Wie beeinflussen uns Fantasien? Schiftan betont, dass Fantasien nichts über unsere Vorlieben in der Wirklichkeit aussagen müssen, dass aber häufig die Fantasie zu dem abdriftet, was sich gut bewährt hat als körperlicher Reiz. Wenn ich also gerade meine Vagina verstärkt erkunde, weil ich dieses Buch lese, können mehr Fantasien dazu auftauchen. Wenn ich auf harte Reize wie etwa starkes Reiben reagiere, können sich die Fanatsien etwa um auspeitschen drehen. Das heißt aber nicht, dass man das in der Realität dann auch genießen muss oder will, ebenso wie eine Vergewaltigungsfanatsie, die sehr mit “Kontrolle abgeben” zu tun hat und deshalb nicht auf einen Wunsch in der Alltagswelt hindeutet.

Auch zu diesem Aspekt sexueller Erregung gibt es eine Checkliste- welche Rolle nimmt man in den eigenen Fantasien ein? Ist man aktiv oder passiv etc. Das schöne am Kino im Kopf ist ja, das einfach ALLES möglich ist.

Dania Schifta ermuntert explizit,zu üben sich ohne äußere Reize zur Erregung zu bringen, damit man die Reaktionen der Vagina und Vulva besser mitbekommt. Auch die Beckenschaukel spielt dabei eine große Rolle, es werden vier Übungen dazu angeboten, welche die Orgasmusfähigkeit bei Vaginalsex steigern sollen.

Ein weiterer Schritt zu besserem Sex geht mit mehr Eigenzentriertheit (Egoismus) und Kommunikation über das Erleben einher.

Stimme! Mach Geräusche! Seid laut beim Sex! Und wenn die Lust mal nicht so riesig ist, gib dein Bestes- für dich selbst. Intensive Bewegung stellt das murrende Gehirn oft still. Auch feste Sexdates mit dem Partner empfiehlt die Sexualtherapeutin, und allgemein mehr Berührung in den Alltag einzubauen.

Zu guter Letzt führt Dania Schiftan noch in die vier Modi der Erregung nach Sexocorporel (von Jean Yves Desjardins) ein.

Der Archaische Modus wird vorallem durch  Druck erregt (etwa durch zusammenpressen der Beine), bewegt sich kaum, spannt de Körper an und atmet eher flach

Wer sich im mechanischen Modus befindet, wird durch Reibung und Vibration erregt, beim Paarsex aber oft nicht so sehr, da der Partner evtl Tempo und Intensität nicht einschätzen kann. Die Stimulation erfolgt hauptsächliche über die äußeren Geschlechtsteile.

Der ondulierende Modus lebt von großen, weichen und fließenden Bewegungen. Der ganze Körper ist involviert und eher entspannt als angespannt, ein einsinken in die Erregung ist möglich, es reicht jedoch oft nicht für einen Orgasmus.

Der wellenförmige Modus spielt mit Muskelspannung, Bewegung, Tempo und Entspannung, was weniger anfällig für größere Ablenkungen macht. Das BEherrschen der Beckenschaukel macht den Erfolg für einen Orgasmus erreichen, auch die Atmung ist tief- die besten Voraussetzungen für einen vaginalen Orgasmus sind gegeben.

Dania Schiftan gibt nun auch einige hilfreiche Hinweise für Männer- so empfiehlt sie auch ihnen, den Penis aus gewohnten Stimulationsbahnen zu holen und ganz neu zu sensibilisieren.Auch dem Mann empfiehlt sie die Beckenschaukel und gibt die dementsprechenden Übungsanleitungen gleich mit auf den Weg.

Fazit: Die Illustrationen sind hilfreich und kurzweilig, auch die Sprache ist alltagsnah. Die Beispiele aus der Praxis zeigen: ja, es gibt die verschiedensten Hürden in Bezug auf Sexualität und keine Schande, sich drum zu kümmern.